San Francisco Tag 2

Heute ist Ausschlafen gestrichen - unsere Segway Tour startet 10:30am. Das klingt nach viel Zeit, allerdings gilt es einzuberechnen, dass wir ca. 20 Minuten bis ins Stadtzentrum benötigen, weitere 20 Minuten mit dem Streetcar nach Fischermans Wharf, dem Startpunkt der Tour und ein Frühstück will auch noch eingeplant sein - der Wecker muss also um 7:30am klingeln.

Wir haben es pünktlich ohne Stress geschafft und auch in Ruhe frühstücken können. Nach einer wirklich kurzen Einweisung startet unsere Advanced Segway Tour und es geht ruckzuck die Straßen von San Francisco hinauf, Richtung Russian Hill. Hier wartet die Lombard Street darauf, dass wir selbige langsam und mit einer fantastischen Aussicht in Richtung Bay Bridge und Coit Tower hinunterfahren. Allein diese Aussicht und das Gefühl die Lombard Street langsam hinunterzufahren sind jeden Dollar der nicht so ganz günstigen Tour wert! 

Rasch ein Touristen Foto geschossen 😬 und weiter geht es die Lombardstreet hinunter und am anderen Ende hinauf auf den Coit Tower, einem der Wahrzeichen von San Francisco. (Wer mehr lesen möchte, klickt einfach auf den hinterlegten Wikipedia Link.) Vom Telegraph Hill, auf welchem der Coit Tower steht, lässt sich die Stadt und Bay Area wunderbar überblicken - Alcatraz, die Golden Gate Bridge, Downtown und die Bay Bridge bieten Porno für die Augen. 

Übrigens, für alle, die weder Segway, PKW, noch den Bus bevorzugen, habe ich einen Tipp zur Erklimmung des Telegraph Hill. Gegenüber von Pier 23, mit Blick auf den Telegraph Hill einfach der Greenwich Street folgen. Am Ende der Straße beginnt eine kleine Treppe, welche durch irre schöne Gärtchen direkt auf den Telegraph Hill führt. Es lohnt sich - versprochen!

Wir fahren hinunter, durch die Stadtteile Telegraph Hill, North Beach und wieder hinauf nach Nob Hill, nutzen dabei viele kleine Straßen mit wunderschönen, teils sehr alten Häusern, welche auch das große 1906 Erdbeben überstanden haben. Zur linken Hand liegen der Financial District und Chinatown - beide haben wir gestern bereits zu Fuß durchstreift.

San Francisco ist eine Stadt, welche  auf Hügeln erbaut wurde und so bieten diese immer wieder neue Blicke in und durch die Stadt auf die Bay Area. Wir teilen uns die Straßen mit Autos, Radfahrern und ab und an mit den Cabel Cars. Während Segway Motoren beim bergauffahren pfeifen, surren unter uns die Zugkabel der Cabel Cars. (Für technisch interessierte Leser bietet sich der hinterlegte Wikipedia Link an.)

An der Gnadenkirche vorbei drehen wir wieder in Richtung Fishermans Wharf bei, fahren die Jones Street und blicken dabei herrlich auf Alcatraz und die dahinter liegende Angel Island. Noch einmal geht es hinauf und dann - wow, die Lombard Street nochmals hinunter - richtig schön. Nach gut 2.5 Stunden endet die Tour wo sie begonnen hat 417, Beach Street - San Francisco Segway Tours - Electric Tour Company.

Den Nachmittag verbringen wir zu Fuß und per Bus, durchqueren Pacific Heights, Laurel Heights, Nopa - genießen die Sonne im Golden Gate Park. Am frühen Abend laufen wir die Haight Street entlang und entdecken Vegan Burg - hier gibt es unser heutiges Abendessen. Der 7er Bus bringt uns zurück nach Downtown zu unserem Mietwagen.

San Francisco Tag 1

Die San Francisco Bay liegt noch im Nebel und Wolken über der Stadt aber der Tag verspricht sonnig zu werden. Wir kennen die Stadt schon und nehmen uns Zeit für die Stadtviertel welche uns bei unserem letzten Besuch besonders beeindruckt oder gefallen haben. Paul und Emma waren 7 bzw. 9 Jahre als wir 2013 San Francisco das erste mal besuchten. Ihr damaliger Favorit war Chinatown. Es ist wohl die Skurrilität, in Mitten der USA das Gefühl zu haben, in Asien zu sein. Die Eigenwilligkeit der Menschen die nahezu kein Englisch sprechen, die Geschäfte und deren Waren, die Obst-, Fleisch- und Fischmärkte.

Von Chinatown nehmen wir für einen Teil der Strecke nach Fishermans Wharf den Bus. Die Pieranlagen sind nicht so mein Fall, da ich das Gefühl habe, hier eine Inszenierung vorgeführt zu bekommen. Naja, für einen Blick nach Alcatraz lohnt es sich alle mal. Mit den hübschen alten Streetcars (nicht zu verwechseln mit den Cabelcars) fahren wir von Fishermans Wharf, entlang der Pieranlagen die gesamte Marketstreet hinauf bis zur Endhaltestelle nach Castro.

Die Stadtviertel Castro, Ashbury Heights und Haight Ashbury sind fest in den Händen der LGBT Community und Alt-Hippies. Zwischen Castro und 19th Straße sowie Haight Street und Golden Gate Park spielt sich das Straßenleben ab. Hier finden sich dedicatet Cafès, Bars, Clubs und Shops. Dazwischen die wohl schönsten Häuser und fantastischen Blicke auf die Stadt. Die Neighbourhood ist tip-top gepflegt und freundlich.

Direkt an der Haltestelle Castro befindet sich der Harvey Milk Plaza. Harvey Milk war der erste offen bekennende Stadtrat von San Francisco. Seinem Kampf hat die LGBT Community in San Francisco sehr viel zu verdanken. 

Google Translation von Achievements - Harvey Milk:

Harvey Milks Aktionen für die Rechte von Schwulen führten zu einer Vielzahl von Erfolgen. Zum Beispiel war die Tatsache, dass er einen Platz im San Francisco Board of Supervisors bekommen konnte, eine großartige Leistung. Wichtiger ist jedoch, was er im Board gemacht hat. Zunächst startete er Programme, die den Arbeitnehmern und den Rechten älterer Menschen zugute kamen. Außerdem trug er dazu bei, Probleme in der Nachbarschaft wie öffentliche Verkehrsmittel, Polizeischutz, öffentliche Parks und die Verabschiedung eines Gesetzes zu lösen, das die Eigentümer dazu verpflichtete, den Müll ihres Hundes aufzuräumen. Außerdem drängte er auf mehr schwule Polizeibeamte und es gelang ihm. Was weitere wichtige Errungenschaften anbetrifft, wurde das erste Schwulenrecht in San Francisco verabschiedet. Alle Mitglieder des Vorstands, mit Ausnahme von Dan White, stimmten für die Verabschiedung dieses Gesetzes.

Stadtrat Harvey Milk und der damalige Bügermeister George Moscone wurden 1978 durch Dan White im Rathaus erschossen. Lesern meines Blogs empfehle ich den Film "MILK". In einem kompakten Portrait wird die Geschichte Harvey Milk's und die Lebensumstände von Schwulen und Lesben der damaligen Zeit dargestellt.

Wir genießen die Nachmittagsonne, schlendern durch die wunderschönen Straßen mit viktorianischen Häusern, trinken Café und lassen die Eindrücke auf uns wirken. Ich träume vor mich hin und stelle mir vor, wie es wohl wäre hier zu leben ... 💁🏻‍♂️

Für morgen stehen Segways bereit und wir sind schon sehr gespannt auf die Tour.

Eureka und Samoa Island

Etwas verspätet, bin ich noch meinen gestrigen Blog-Beitrag schuldig. Wir verbringen einen 2. fahrt-freien Tag und nutzen die Gelegenheit in den selbigen hinein zu leben. Wie schon am Vortag starten wir gemütlich, schlafen länger, frühstücken ausgiebig. Mein Sohn Paul hat sich die Mühe gemacht und verwöhnt uns mit leckeren Avocado Toasties.😋

Humbold County, benannt nach Alexander von Humbold, welcher selbst niemals vor Ort gewesen ist, hat neben Arcata noch eine weitere kleine Stadt, welche wir heute besuchen. Eureka entstand in der Zeit der Goldsucher. Nachdem der Goldrauch beendet war, lebte die Stadt lange Zeit von der Holzindustrie. Eurekas Hafen war einer der zentralen Holzverschiffungshäfen an der Nordpazifikküste. Diese Zeiten sind lang vorbei. Heute lebt Eureka vom Tourismus und wiederum von Pensionären aus Nordkalifornien. Die Stadt hat noch einen recht guten Bestand an Häusern aus der Jahrhundertwende und lädt mit einigen Mode- und Kunstboutiquen zum Schlendern ein. 

Am Nachmittag lässt sich seit langem die Sonne wieder blicken. Es wird richtig schön warm und wir beschließen, uns in die Dünen auf Samoa Island zum Sonnen und Strandln zurückzuziehen. Den so schönen ruhigen Tag lassen wir mit einem leckeren Essen im Fischrestaurant „Salt“ in Arcata ausklingen.

Patricks Point State Park

Oh wie herrlich kuschelig sind wir heute morgen in unserem süßen, kleinen Häuschen mitten im Wald wach geworden. Ich bin husch einmal kurz aus dem Bett geschlüpft, habe die Gastherme angeschmissen, um dann noch einmal zu schlummern. Ein Halbes- oder vielleicht Dreiviertelstündchen später zieht bereits der Duft frischen Kaffees durch den Raum - hmmm. 

Wir gehen es heute etwas ruhiger an. Gemütliches Frühstücken, kein Ortswechsel und dennoch wollen wir uns bewegen und etwas von der Umgebung entdecken. Gegen Mittag brechen wir zu einer kleinen Wanderung in den Patricks Point State Park auf. Der Wanderweg ist als Rundweg angelegt und führt weitgehend entlang der Steilküste. Immer wieder gibt es die Möglichkeit nach einem Abstecher an den Strand hinunter oder auf Felsen hinauf. Wir nehmen alle mit, bleiben an schönen Aussichten stehen oder sitzen. Entdecken handtellergroße Seesterne, dösende Seehunde; beobachten Vögel und träumen ein wenig.

Nach der knapp dreistündigen Wanderung entschließen wir uns auch den Abend nicht auswärts zu verbringen, holen uns ein paar Dosen Dr.Pepper, Pizza, Obst und süße Schweinereien - alles was wir für einen gemütlichen Abend im kleinen Häuschen benötigen.  

Von Bandon, OR nach Arcata, CA

Unser letzter Morgen in Oregon beginnt mit einem frischen, warmen Kaffee und einem Cream-Chease-Bagel. Einfach aber lecker. Das kleine Café im Ort ist gut besucht - Anwohner, Urlauber, Durchreisende, Trucker - alle treffen sich hier in typisch amerikanischer Gemütlichkeit und Gastfreundschaft. An der Wand hängen Bilder, stumme Zeugen aus der Zeit um 1900, als Fisch- und Holzindustrie noch dominierten. Heute ist es, wie an allen anderen Ortschaften entlang des 101, der Tourismus.

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Das Wetter hat sich heute erneut gedreht. Es ist kühl, bewölkt und neblig. Unserer Reise- und Entdeckungslust schadet dies nicht. Kurz hinter Bandon sehen wir linker und rechter Hand Cranberry Farmen - die größten der USA. 15 Millionen Tonnen dieser Früchte werden hier jährlich geerntet und in der Mehrheit als Zutaten verarbeitet.

Der Küstenstreifen in Oregon wechselt heute weniger oft - es bleibt überwiegend Steilküste, meist schroffe Gesteine, das Landesinnere aber weiterhin Wald, Wald, Wald. Da unsere Fahrtstrecke heute etwas weiter ist und somit mehr Zeit in Anspruch nimmt, fallen Stops mit Strandspaziergängen heute eher kurz aus. Auch in den Orten an der Strecke halten wir weniger oft. Allerdings kommen wir an einem kleinen Landen mit überwiegend regional hergestellter Handwerkskunst aus Myrthelholz nicht vorbei. Wir erstehen eine Devotionalie für unsere heimische, offene Küche im Coffee Shop Style.

Während sich der Highway 101 auf einem längeren Abschnitt deutlich von der Küste entfernt, überqueren wir nahezu unbemerkt die Grenze nach Kalifornien. Fast ebenso schlagartig verändern sich die Bäume und wir haben plötzlich das Gefühl, wir, als auch die vor uns fahrenden Fahrzeuge sind geschrumpft und die uns umgebende Welt hat sich vergrößert. Kalifornische Küstenredwoods dominieren die Wälder und werden immer häufiger. Wir durchqueren erste Abschnitte des Reedwood National Park und gelangen an unser heutiges Etappenziel: Arcata, CA.

Für die kommenden 3 Nächte schlagen wir unser Quartier in einem süßen kleinen Häuschen, inmitten vom Wald auf. Die nächsten Tage stehen Reedwood-Wanderungen und Strandspaziergänge auf dem Programm.

Von Newport nach Bandon

Der Morgen startet im Hafen von Newport. Es riecht nach Meer, Salz und Fisch. Die Kutter sind am Morgen zurückgekehrt und im Hafen wird der Fang verarbeitet. Lachse, Tunfische und Krabben. Wir sitzen in einem Cafè, frühstücken und beobachten das Treiben. Heute muss auf jeden Fall noch frischer Fisch auf den Tisch!

Nach einem kleinen Spaziergang durch Newport geht es auf den 101. Die Straße hält heute für uns so unterschiedliche Eindrücke und Bilder bereit, wie ich sie mir nicht vorgestellt habe. Flache Küstenabschnitte mit breiten Sandstränden, wechseln auf steile und zerklüftete. Die Luft ist erstaunlich mild. Wir steigen oft ein und aus - genießen die Strandspaziergänge. Zwischendurch immer wieder endlos tiefe Wälder, soweit das Auge blicken kann.

Kleinere und größere Fischerdörfer begleiten uns auf dem Weg. Manche sind niedlich schön, laden zu einem Schaufensterbummel ein, andere lassen wir an der Straße zurück. Die Gegend war über viele Jahrzehnte hinweg von Fischfang und Holzindustrie bestimmt. Nicht jeder Ort hat den Umschwung in den Tourismus als Einnahmequelle geschafft. Solche, die den Weg frühzeitig in Richtung Tourismus eingschlagen haben, werden mit Urlaubern und Pensionären und deren Geld belohnt - das sieht man beispielsweise im kleinen Örtchen Florence.

Dicht hinter Florence beginnt die größte Dünenlandschaft der USA, der Oregon Dunes National Park. Schier endlos weit und hoch scheinen Dünen. Wir wandern durch einen Abschnitt dichter Vegetation. Herrliche Kiefernwälder und typische Dünensträucher. Im Hintergrund das Rauschen des Pazifiks. Herrlich frische, milde Luft. 

Entlang der Straße treffen wir auf ganz unterschiedliche Mitstreiter. Ein Pärchen junger Frauen, unterwegs von Kanada in einem alten VW Bus. Eine Familie aus Frankreich - auf einer 4 Jahre dauernden Weltreise. Urlauber wie wir und Städter auf Kurzurlaub. Was uns auffällt, die Menschen die wir auf der Straße, am Strand  oder in den kleinen Orten treffen sind ausgesprochen freundlich - wie hatten wir das in Seattle und Portland vermisst - das ist die USA, wie wir sie in den letzten 10 Jahren, auf unterschiedlichen Reisen kennengelernt haben.

Am frühen Abend treffen wir in Bandon ein. Das Thermometer ist von 75°F auf 57°F gesunken. Wir checken in unser süßes kleines Motel ein, machen uns frisch und schlüpfen in wärmere Kleidung. Danach kommt, was ich mir am Morgen vorgenommen hatte - frischer Fisch! Diese Nacht wird unsere letzte Nacht in Oregon sein - morgen wechseln wir nach Nordkalifornien.

Von Portland nach Newport

Von Portland geht es heute wieder zurück an die Pazifik Küste und damit auch wieder auf den Highway 101. Wir folgen zunächst dem Interstate 5, welcher uns rasch aus der Stadt in Richtung Salem bringt. Nur etwa 45 Minuten außerhalb von Portland streifen wir ein Simon Outlet. Da können wir einfach nicht vorbei 🤷🏼‍♀️- zu Hause wartet schließlich ein leerer Kleiderschrank 😬.

Nach erfolgreichem Shopping verwöhnt uns die Straße mit einer Fahrt durch die wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaft von Oregon. Es geht durch Ebenen mit viel Landwirtschaft und Farmland. Angebaut werden: Birnen, Äpfel, Haselnüsse, Wein und Getreide. Auch etwas Viehwirtschaft ist zu sehen, insbesondere Rinder. Die Landschaft wechselt aus der Ebene in sanfte Hügellandschaft mit viel wunderbar duftenden Wäldern. Ich habe mich heute mal ganz dem Schauen und weniger dem Fotografieren hingegeben - daher gibt es von diesen Eindrücken heute nur Wort und kein Bild.

Am späten Nachmittag sind wir in Newport. Die warme, staubtrockene und immer noch rauchige Luft trifft auf die kühle, feuchte Meeresluft. Das Ergebnis: Eine dunstige Mischung ohne Panoramablick. Die schlechte Sicht kann uns nicht abhalten. Wir ziehen uns etwas wärmer an und spazieren noch gut eine Stunde am rauschenden Pazifikstrand entlang. Der Abschnitt "Agate Beach" verdankt seinen Namen nicht etwa einer Dame, er leitet sich aus den Achat Steinen ab, welche hier zu finden sind. Gefunden haben wir keine, dafür genossen, über so unendlich viele Sanddünen zu laufen. 

Nachdem wir bereits am Nachmittag mehr oder weniger Abend gegessen haben, uns aber noch ein kleines Hüngerchen plagt, entscheiden wir uns den Abend mit frischem Obst und Gemüse "Home-Grown in 🇺🇸" abzuschließen.

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Oregon

Landschaft und Natur pur! Der heutige Tag war ein Auszug aus Oregon at it`s best. Wir folgen dem Columbia River flussaufwärts und sind nicht verwundert, dass Lewis & Clark nach ihrer 18 monatigen Reise in den wilden Westen den Fluss in seiner Breite bereits für Buchten des Pazifiks hielten. Selbiger lag zur damaligen Zeit noch 10 Reisetage entfernt.

Den ersten Stop legen wir ca. 42 Minuten entfernt von Portland ein und bewundern herunterstürzende Wasser der Multnomah Falls. Leider ist der Trailhead gesperrt und die damit verbundene Aussicht in das Tal des Columbia River bleibt für uns verschlossen - schade.

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Bevor wir uns für eine Umrundung des Mount Hood entscheiden, lassen wir uns vom 1933 erbauten Bonneville Lock & Dam begeistern. Das Bauwerk kann komplett besichtigt werden. Besonders spannend, man kann sich die Fischtreppen sowohl unterhalb der Wasseroberfläche, als auch oberhalb anschauen. Da sind sie, die Lachse, welche flussaufwärts ziehen, um die kommende Generation zu sichern. Der Damm diente und dient der Stromerzeugung und wurde in den letzten Jahren durch neue Turbinen und Generatoren auf den neusten Stand der Technik gebracht.

Zirka 20 Kilometer hinter Bonneville biegt unsere Straße in Richtung Mount Hood ab. Wir erwarten tiefe Wälder, sind jedoch erstaunt, auf einer Hochebene Obstplantagen und kleine Weinanbaugebiete zu entdecken. Die Winter sind hier recht streng und schneereich, die Sommer allerdings warm und eher trocken. Der Boden aber ist es, der für Obst und Weinanbau interessant ist - Vulkangestein.

Mount Rainier in der Nähe von Seattle, Mount St. Helens und Mount Hood sind allesamt Vulkane. Wer jetzt glaubt, die sind erloschen, der irrt. Mount St. Helens hat sich am 10. Juli 2008 das letzte mal als noch immer aktiv gemeldet. Die größte Erruption liegt etwas länger zurück. Es war der 18. Mai 1980, als der Berg mit einer gewaltigen Erruption, einer darauffolgenden pyroklastischen Wolke und jeder Menge Lava ausbrach. Der Berg samt Ausbruch schaffte es ins Kino - Hollywood verfilmt den Ausbruch in Dante`s Peak.

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Wir umrunden Mount Hood (letzter Ausbruch 1907) und lassen die Szenerie aus verschiedenen Perspektiven auf uns wirken. Die Wälder duften herrlich nach Douglasien, Zedern und Pinien. Wir stoppen an einem der zahlreichen Gebirgsbäche, halten die Füße ins kalte Wasser und genießen den Tag in den Wäldern Oregons.

Portland, OR

Die gestrige Tag war eindrucksvoll, die Fahrt nach Portland lang, was den Zwischenstopps im Olympic National Park geschuldet war.  Der Morgen in Portland beginnt "in da hood". Wir wohnen in einem über airbnb angemieteten Haus. Die Gegend ist nett, so wie man es aus amerikanischen Filmen kennt. Wir holen uns einen Kaffee und Sandhexen (Sandwiches) in der Crocery von neben an, dann geht es los in Richtung Downtown.

Portland präsentiert sich aufgeräumter und sauberer wie Seattle. Es lungern kaum Obdachlose herum und es riecht nicht nach Urin - nicht einmal. An Samstagen bietet Portland entlang der Waterfront einen Künstlermarkt. Von hier aus starten wir die Erkundung der Stadt. Auffällig ist, dass es in Downtown Portland kein wirklich zusammenhängendes Viertel mit netten Geschäften und Straßencafès gibt. Obwohl für US Verhältnisse recht klein und kompakt, wirkt die Innenstadt etwas zerrissen. Es gibt den Pearl District, alte Lagerhäuser in neuem Chique beherbergen hippe Läden, Restaurants und Cafés. Einige Blocks weiter Pioneer Place - eher klassisch, mit Courthouse und den bekannten Markenboutiquen wie in jeder Großstadt.

Wir nehmen die Straßenbahn, fahren nach NOB HILL, hier endlich mal eine Straße mit Charakter. Kleinen Boutiquen, Cafés und Coffee Shops. Ja, in Portland darf ganz legal Cannabis konsumiert werden - das riecht man auch an jeder Ecke. Und wo wir schon dabei sind - dementsprechend gestaltet sich die Bevölkerung. Es gibt jede Menge Freaks, Nerds, eine sichtbare LGBT Szene und Hipster. Hierfür und für ihre Radfahrer ist die Stadt in den USA auch bekannt. Ansonsten fallen uns im Gegensatz zu Seattle wieder Familien mit Kindern auf.

Nach dem Bummel durch NOB HILL gönnen wir uns ein wenig Ruhe im Washington Park oberhalb der Stadt. Auf kurz geschnittenem Gras schlummere ich ein wenig unter den Cypressen ein - werde aber jäh aus meinem Nachmittagsschläfchen geweckt - Wespenstich (!) - autsch. Wir nehmen den Bus zurück nach Downtown, laufen zurück ins Parkhaus und fahren in unsere Neighborhood.

Den frühen Abend verbringen wir im ALBERTA ARTS DISTICT. Der Name ist Programm. Es riecht, nein es stinkt nach Pott, das Klientel wirkt leicht schmuddelig und ungepflegt (ist es aber nicht, dass ist hier so) und die Restaurants des Viertels wirken entweder extrem teuer oder verbreiten das Flair einer Schulhofkantine. Dementsprechend schwankt die angebotene Küche von eurasisch bis mexikanisch. Uns zieht es in ein Brauhaus mit amerikanischer Küche.

Brauhäuser gibt es in Portland einige. Die Bevölkerung möchte sich mit allem was geht vom Mainstream absetzen und braut in Micro- und Nanobreweries eigenes Bier. Bloß nicht kommerziell, bloß kein Mainstream. 🙄 Übrigens, das Geld für das hippe Non-Mainstreamleben wird bei Nike und Intel verdient, beide haben ihre Headquarter in Portland und gehören zu den Top-Arbeitgebern.

In Europa wird Portland, wie auch Seattle gehypt. Seattle ist in meinen Augen bereits durchgefallen. Portland fällt nicht durch, bekommt aber von mir ein "muss man nicht zwingend gesehen haben". Freaks, Künstler und Hippies gibt es in vielen Stadtvierteln amerikanischer Großstädte - auch nichts wirklich besonderes. Bleibt Pott rauchen, eine Stadt, die Radwege und eine sichtbare LGBT Szene hat. Ansonsten hat die Stadt mit den Steuereinnahmen aus meiner Sicht wenig gemacht. Die Verkehrsinfrastruktur und die Gebäude der Stadt sind im unteren Durchschnitt der bisher gesehenen US Städte. Es fehlt an städtebaulichem Einfallsreichtum und einer Vision für die Zukunft.

Olympic National Park

Der Morgen in Forks startet ziemlich unterkühlt - nicht unsere Stimmung - die Temperatur. Übrigens, ich hatte gestern gar nicht erwähnt, dass Forks, WA seit den Twilight Büchern einen sprunghaften Anstieg der Besucherzahlen zu verzeichen hat. Die Saga spielt in Forks, sowohl was die Schauplätze in den Büchern betrifft, als auch in den gleichnamigen Hollywood Filmen. Für den kleinen Ort war "ein kleines Konjunkturpaket", Zitat Bürgermeister der Stadt.

Bevor wir uns heute von der Olympic Halbinsel verabschieden und nach Portland, OR fahren, widmen wir uns noch einmal zwei faszinierend schönen Ausschnitten des Olympic National Parks. Wir beginnen im Hoh Rain Forest. Bereits gestern, mit der Ankunft in Forks haben wir bemerkt, dass die westliche, dem Pazifik voll zugewandten Seite der Halbinsel, sehr viel kühler aber auch feuchter ist. Die Natur wirkt längst nicht so von der Hitze der letzten Wochen ausgezehrt.

Auf der Fahrt tiefer in die Wälder verstärkt sich der Eindruck in einen unberührten Urwald zu fahren. Die Straße schlängelt sich entlang des Hoh River. Paul und ich spekulieren, ob wir hier wohl Lachse fangen würden. Die gibt es hier in jedem Fall und nicht nur Angler auf zwei Beinen. Vor Bären wird gewarnt bzw. der richtige Umgang bei einer Begegnung geschildert. Während ich aus dem Fenster starre, summt in meinem Kopf die Titelmelodie aus Brokeback Mountain.

Die Straße endet nach 15 Miles. Wir gehen zu Fuß weiter,  tiefer in den Hoh Rain Forest. Meine Bilder können, wenn überhaupt, nur einen kleinen Eindruck vermitteln. Der Wald wirkt auf mich wie einer der Urwälder aus meinem Geographie Schulbuch - ein Wald aus längst vergangener Zeit. Gigantisch hohe Bäume - Douglasien, Riesenlebensbäume, Oregon Ahorn und Sitkafichten ragen weit in den Himmel. Der Boden und die Bäume sind dicht bewachsen und behangen mit Moosen. Wir laufen durch mannshohe Farne. Alles bleibt wie es ist: Kein Mensch mischt sich in die Geschicke der Natur ein - Bäume wachsen, stürzten zu Boden, vergehen und sind Grundlage für Neues.

Langsam bricht auch die Sonne hinter dem Hochnebel hervor, verdrängt die Wolken, die Strahlen wärmen und verzaubern den Wald. Wir müssen weiter, fahren zurück auf den Highway 101 in Richtung Süden. Nach ca. 30 Minuten Fahrt sind wir wieder am Pazifik. Es bietet sich erneut ein Anblick zum Staunen: Ruby Beach. Große Mengen an Driftwood liegen am Strand. Die Ebbe lässt den Strand noch tiefer und breiter erscheinen. Wir können bis zu einigen der Felseninseln laufen. Vor wenigen Minuten hatten wir noch Waldduft in der Nase, nun ist es wieder frische, salzige Meeresluft.

Es zieht uns weiter. Der 101 bringt uns bis nach Aberdeen. Der Ort hat seine besten Zeiten schon einige Jahrzehnte - bald ein Jahrhundert - hinter sich. Fischfang und Holzwirtschaft sind nicht mehr einträglich und für recht viel mehr hat es bisher noch nicht gereicht.

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Umso erstaunter sind wir, dass wir in dem gottverlassenen Nest eine kleine Perle der Gastfreundschaft finden. The Jitter House ist ein kleines Café welches tatsächlich richtig guten italienischen Kaffee und köstliche Sandwiches zaubert. Gottverlassen ist es überhaupt nicht - der Inhaber ist bibelfest und offensichtlich sehr gläubig. Im Lokal stehen einige Pokale von Bibel Rezitierwettbewerben, nebst diversen Devotionalien und Bibelsprüchen an der Wand. Das Türschild verbindet Patriotismus und Glaube. 

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